SV Vonderort

Die 1949 gegründeten „Wienberg-Löwen“ des SV Vonderort treten in unmittelbarer Nähe des Bottrop-Vonderorter Bahnhofes gegen das runde Leder. Gegründet wurde der Fußballclub in der alten Wirtschaft Kerkhoff. 1962 wechselte das heute in der Kreisliga C (Oberhausen/Bottrop) kickende Team von dem alten Sportplatz in der Hovermannstraße auf das nahe gelegene Sportfeld und gleichzeitigen Spitznamensgeber des Vereins „am Wienberg“. In seiner nunmehr 70-jährigen Vereinsgeschichte spielte der Verein im Amateurbereich zwischen Kreisklasse und Bezirksliga.

Höhen und Tiefen in 70 Jahren Vereinsgeschichte

Höhepunkt war sicherlich 1999 in der 50. Spielzeit des SVV der Aufstieg in die Bezirksliga. Im gleichen Jahr verlor man nur knapp in der ersten Runde des Niederrhein-Pokals gegen den damals trotz des eigentlich sportlichen Regionalligaverbleibs in die Oberliga zwangsabgestiegenen Wuppertaler SV mit 1:2. Mittlerweile findet sich der Verein allerdings deutlich tiefer im Ligensystem des Oberhausen/Bottroper Fußballs wieder. 2008 ging es nach Neun Jahren Bezirksliga zurück in die Kreisliga A. 2012 folgte leider der Abstieg in die Kreisliga B und in der Folgesaison ist der SVV in die Kreisliga C durchgereicht worden.

Die erfolgreichsten „Löwen“ des SV Vonderort

SV Vonderort Webseite

Screenshot der Webseite des SV Vonderort Fußballverein (www.sv-vonderort.de) aufgenommen am 26.08.2005

Zum 60. Jubiläum 2009 wurde eine Festbroschüre mit umfangreichen Statistiken über Spieler des Vereins veröffentlicht. Norbert Lefering ist mit 253 Einsätzen im Trikot des SV Vonderort mit seinen 275 Toren der Allzeit-Torschützenkönig des Vereins. Weit vor Bernd Drews, der mit 175 Toren in 184 Spielen aber auch einen sehr guten Schnitt hat.

Die meisten Einsätze für die Löwen absolvierte aber Wolfgang Pemp (613), gefolgt von Norbert Kirstein (608) und Alfred Lefering (533). Zum besagten 60-jährigen Jubiläum spielten die Aufstiegsmannschaft 1999, sowie die Kreisklasse-Aufstiegsmannschaft 1993 noch einmal in Originalbesetzung gegen die 1983er Männer Fußballmannschaft des ebenfalls in Bottrop spielenden SV Rhenania, um die Erinnerung an alte Erfolge aufleben zu lassen.

Ein Gegentor alle Zwei Minuten und schon 20:0 zur Halbzeit?

Ein Spiel für die Geschichtsbücher: Für Aufsehen sorgte im September 2016 ein Spiel der zweiten Fußballmannschaft des SVV. Im Kreisliga-Spiel gegen den Polizei-Sportverein Oberhausen klingelte es im Schnitt alle 120 Sekunden im Kasten des SV Vonderort. 43 Gegentore bei keinem selbst Geschossenen sorgten für eine kurze unrühmliche überregionale Bekanntheit. Der Torhüter der Löwen wurde darüber hinaus in der Woche nach diesem „legendären“ Spiel verhaftet. Nicht wegen dem Spiel, sondern weil er eine Geldbuße nicht aufbringen konnte und deswegen zur Strafe im Gefängnis diese ersatzweise absitzen musste.

Fußball, SV Vonderort und Integration

Fairerweise muss aber gesagt werden, dass die „Zweite“ des SVV im Jahr 2016 eine besondere Fußballmannschaft war. Trainerin Yvonne Liesenfeld gründete eine Mannschaft, die nur aus Flüchtlingen bestand, um diese zum Fußballspielen zu bewegen und somit die Integration zu erleichtern. Die Mannschaft war zu diesem Zeitpunkt noch hoffnungslos unterlegen, da auch nur ein geringer Teil der Spieler überhaupt erst einen Spielerpass vom Verband erhalten hatten und das Team somit auch nicht in der zu Verfügung stehenden Bestbesetzung hatte antreten können. Außerdem fuhr das Team zu der Zeit mit Bus und Bahn zu den Auswärtsspielen. Das 43:0 war zwar ein sportlicher Tiefschlag, schweißte die Jungs um Trainerin Lieseneld aber nur noch enger zusammen, um größeres zu erreichen. Mittlerweile gibt es nicht mehr nur eine Mannschaft, bestehend aus Flüchtlingen, sondern der SV Vonderort integriert Menschen mit verschiedenen Lebenswegen und Biographien in allen Alters- und Mannschaftsteilen von der Jugend bis zu den Alt-Herren.

Das inoffizielle Rückspiel zum 43:0-Debakel

Im März 2019 gab es die Revanche: Die Wienberg-Löwen gewannen 4:3 gegen den PSV aus Oberhausen vor über 700 Zuschauern. Aber auch hier muss fairerweise gesagt werden, dass es sich um eine Ausnahmesituation handelte. Der Radiosender 1Live ermöglichte dieses inoffizielle Spiel und die „Zweite“ des SV Vonderort wurde von prominenten Ex-Bundesliga-Spielern unterstützt. Neben Siegtorschütze Ingo Anderbrügge kickte auch dessen Vorlagengeber Ansgar Brinkmann für die Wienberger. SV Vonderort Torhüter Robin Bakos ist im Vorfeld von Roman Weidenfeller trainiert worden.

Der SVV seit 2017

Seit 2017 arbeitet der Vorstand verstärkt daran, den in der Versenkung verschwundenen Verein wieder auf Vordermann zu bringen. Schwerpunkt dabei ist die Jugendarbeit. Ein Anknüpfen an die glorreichen Zeiten zu Beginn der 2000er sei das Ziel. Damals hat das Bottroper Stadtteilteam den Sportplatz komplett mit Zuschauern gefüllt. Heute gibt es neben der 1. und 2. Männer Fußballmannschaft auch eine Damen- und drei Jugendmannschaften sowie Alt-Herren-Teams. 2019 wurde die E-Jugend des Vereins Vize-Stadtmeister. Leider musste Die Damenmannschaft aus dem Spielbetrieb der Kreisliga A aufgrund von Personalsorgen zurückgezogen werden. Grund hierfür sind neben unerwarteten Abmeldungen auch Schwangerschaften der Spielerinnen. Neben der Frauen Fußball Abteilung gibt es beim SV Vondervort 1949 eine aktive Damengymnastik-Gruppe. Lassen wir uns überraschen, wie sich der Amateur-Traditionsverein aus dem Bottroper Süden in den nächsten Jahren entwickelt.

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